Couchsurfing Fail 3

Glücklicherweise habe ich für die zweite Nacht in Isfahan einen Couchsurfing-Host gefunden, der in der Nähe des Imamsquares lebt. Ich plane ihn am Abend zu treffen, um viel Zeit zu haben, die Stadt kennenzulernen. Da Dariush (siehe vorherigen Eintrag) im Teppichladen einen Hotspot für mich errichten kann, bleibe ich dort eine Weile und lasse mich mit Informationen zu diesen seidigen Fabelwesen namens Teppich berieseln. Besonders angetan hat es mir der sogenannte magische, fliegende Teppich, der Muster auf beiden Seiten hat. Er kann nur von zwei Menschen gleichzeitig geknüpft werden, die das selbe Knüpftempo haben und ist komplett aus Seide. Da Dariush auch Couchsurfing hat und er den Kerl bei dem ich abends übernachten möchte kennt, schreibe ich meinem Host eine Nachricht, dass ich noch mit Dariush rumhänge aber am frühen Abend mich gerne mit ihm treffen würde. Fataler Fehler. Und eine weitere merkwürdige Seite des Couchsurfens tritt zutage: Erst mal sagt er mir ab für die Nacht, weil er Dariush nicht mag und der ihm „immer andere Reisende ausspannt“ (im freien Wortlaut). Ich verstehe überhaupt nicht was es auszuspannen gibt und woher der Wunsch nach einer monogamen Couchsurfingbeziehung kommt, da man ja als Fremder in einer Stadt viele verschiedene Menschen kennenlernt. Es ist also fünf Uhr nachmittags und dieser Typ sagt mir ab! Aus mir unerfindlichen Gründen. Natürlich hat Dariush zur der leicht verkorksten Beziehung auch etwas zu sagen, es lassen sich folgende Parallelen zwischen den beiden Jungs aufdecken: beide haben einen Teppichladen! Vielleicht ist das die geheime Teppichmafia, die einerseits um Käufer und andererseits um brennende Bewunderer konkurriert. Vielleicht kommt hier aber auch ein weiterer kruder Aspekt des „Sexsurfings“ (Siehe Couchsurfing Fail 1) zutage. Denn in diesem kranken Kodex, geht es um das Recht, wer den Couchsurfer/die Couchsurferin rumkriegen wird. Und da Dariush in der Wahrnehmung des anderen Hosts durch das vorzeitige Treffen mit mir schon eher einen Fuß in der Tür hat, fühlt er sich schon im Voraus betrogen. Klar, das kann auch alles blinde Projektion in ein mir unbekanntes Problem sein, aber durch meine vorzeitige Schädigung was Sexsurfing angeht, ballt sich meine undifferenzierte Wut auf diesen unbekannten Couchsurfinghost. Ich bin ziemlich frustriert weil ich letzte Nacht schon 30,- € für das Hotel ausgegeben habe. Und jetzt nochmal 10,- € für ein Hostel ausgeben muss. Bei einem Tagesbudget von 10,- € ist das vielleicht verständlich. Eine Stunde später schreibt er mir noch eine Nachricht, ich solle doch bitte zu seinem Teppichladen kommen, dann würde er mir die Geschichte erzählen, warum er so reagiert hätte. Aber da ich mir a) keine verständliche Geschichte für sein kindisches Verhalten vorstellen kann und b) auch gar keine Lust habe zwischen die mafiösen Teppichwalzen zu geraten, sage ich ihm ab und finde mich mit der Vorstellung des Hostels ab. Auch wenn meine Reaktion möglicherweise ähnlich kindisch ist wie seine, fühle ich mich so trotzdem besser. Dariush bietet an, mich zum Fluss zu bringen und wir haben einen entspannten Spaziergang durch die von iranischen Touristen gefluteten Straßen. In der Region um den Fluss ist viel los, obwohl man gar nicht wirklich versteht, warum. Denn im Iran gibt es ja keinen öffentlichen Alkoholausschank also auch keine Bars. Die Läden sind zwar viel länger offen als in Deutschland, aber die Plätze in denen man sich länger aufhalten kann, sind eigentlich nur Restaurants. Wir sitzen noch ein Weilchen am Wasser, es tut gut, sich länger mit ihm über Gott und die Welt zu unterhalten. Bis wir uns verabschieden und ich in das Hostel wandere, das ganz in der Nähe von meinem Hotel liegt.

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