{"id":104,"date":"2016-02-02T18:59:38","date_gmt":"2016-02-02T17:59:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.federfant.de\/?p=104"},"modified":"2016-07-17T21:22:59","modified_gmt":"2016-07-17T19:22:59","slug":"02-02-16-meine-begegnung-mit-ali","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.federfant.de\/?p=104","title":{"rendered":"02.02.16 Meine Begegnung mit Ali"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Gestern bin ich in Graz gestrandet. Ich hatte dort am Abend zuvor meine erste Nacht verbracht, was relativ d\u00e4mlich war, da ich eine Cousine habe, die in Graz studiert! Tja. H\u00e4tte ich mal eher drauf kommen k\u00f6nnen, dann h\u00e4tte ich mir in meinem kleinen Klapperzelt auch die F\u00fc\u00dfe nicht so abgefroren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Obwohl ich alles in allem sehr zufrieden mit meinem Zeltpl\u00e4tzchen war: von au\u00dfen \u00fcberhaupt nicht zu sehen, in die B\u00e4ume geschmiegt und windgesch\u00fctzt. Au\u00dferdem mag ich das Gef\u00fchl sich abends in das Zelt zu verkriechen und dort ganz f\u00fcr sich zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am n\u00e4chsten Morgen stand ich leider sehr lange auf der Rastst\u00e4tte herum, quatschte Menschen an. Keiner fuhr in die Richtung Slowenien. Frustrierend.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-165\" src=\"http:\/\/www.federfant.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/2016-02-02-10.43.37-300x51.jpg\" alt=\"2016-02-02 10.43.37\" width=\"471\" height=\"80\" srcset=\"https:\/\/www.federfant.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/2016-02-02-10.43.37-300x51.jpg 300w, https:\/\/www.federfant.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/2016-02-02-10.43.37-768x131.jpg 768w, https:\/\/www.federfant.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/2016-02-02-10.43.37-1024x175.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 471px) 100vw, 471px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch einer:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eYou go to Slowenia??&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eYes.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eGreat! Could I come with you?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eNo.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eBut why?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eBecause I don\u2019t know you.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mist. Da fehlte mir nun wirklich die Energie zu diskutieren. Sehr frustrierend.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber dann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fand ich einen Mann, einen Trucker, der sogar bis in die T\u00fcrkei\u00a0fuhr!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sein Name war Ali, er trug eine braune Lederjacke mit seidigem Innenfutter, hatte einen Schnauzbart und leicht eingefallene Schultern. Leider sprach er kein einziges Wort English. So wie ich kein einziges Wort T\u00fcrkisch sprach. Wir konnten uns immerhin darauf verst\u00e4ndigen, dass wir beide in die T\u00fcrkei wollten und dass er mich mitnehmen w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir fuhren also zusammen los und etablierten unseren ersten, in Zukunft immer wiederkehrenden Dialog:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eTabia, Nasilsin?\u201c <em>Tabea, wie geht\u2019s dir?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eIyim. Ali, Nasilsin?\u201c <em>Gut. Ali, wie geht\u2019s dir?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eBende Iyim. Teschek\u00fcrederim.\u201c <em>Auch gut. Vielen Dank. <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er brachte mir noch weiter Br\u00f6ckchen T\u00fcrkisch bei, die ich alle auf einen Zettel zusammentrug. Zum Gl\u00fcck hatten wir Papier dabei, das hei\u00dft, ich konnte die Sachen die er nicht verstand auch flei\u00dfig aufmalen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir fuhren also gemeinsam nach Slowenien. Das Land der bunten H\u00e4user. Alle waren entweder orange, rosa oder gr\u00fcn. Und da fiel mir auf, dass ich wirklich rein gar nichts \u00fcber Slowenien wusste, also lud ich mir direkt mal das APuZ-Heftchen zum Thema EU-Balkan runter (<a href=\"http:\/\/www.bpb.de\/shop\/zeitschriften\/apuz\/31036\/eu-balkan\">hier der Link<\/a>). Leider blieben wir gar nicht lange genug dort, um sich ausgiebig \u00fcber Slowenien wundern zu k\u00f6nnen. Denn schnell setzten wir nach Kroatien \u00fcber und nahmen Kurs auf Zagreb. Man muss dazu sagen dass so ein LKW nicht schneller als 80 km\/h fahren darf und dazu alle drei Stunden eine Stunde Pause machen muss. Die Reise zog sich somit manchmal ziemlich lang.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-167 size-large\" src=\"http:\/\/www.federfant.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/2016-02-03-13.40.01-1024x614.jpg\" alt=\"2016-02-03 13.40.01\" width=\"1024\" height=\"614\" srcset=\"https:\/\/www.federfant.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/2016-02-03-13.40.01-1024x614.jpg 1024w, https:\/\/www.federfant.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/2016-02-03-13.40.01-300x180.jpg 300w, https:\/\/www.federfant.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/2016-02-03-13.40.01-768x461.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das erste Problem trat auf, als es abends darum ging wo ich schlafen w\u00fcrde. Ali lud mich ein mit in seinem Truck zu \u00fcbernachten. Man konnte im oberen Bereich ein weiteres Bett ausklappen, die Truckkabine war beheizt, ein gem\u00fctlicher Ort zum n\u00e4chtigen. Ich erkl\u00e4rte ihm, dass ich das nicht wollte und lieber drau\u00dfen in meinem Zelt schlafen w\u00fcrde. Ich war felsenfest davon \u00fcberzeugt, dass ich bestimmt nicht mit ihm in seiner kleinen Truckerkabine \u00fcbernachten w\u00fcrde. Denn Annelie hatte schon Recht, ohne gemeinsame Sprache ist es sehr schwer Vertrauen zu einander zu fassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach seiner Einladung musste ich ihm also erkl\u00e4ren, dass ich diese nicht annehmen k\u00f6nnte und lieber drau\u00dfen in meinem Zelt \u00fcbernachten w\u00fcrde. Ich konnte ihm das Wort Vertrauen leider nicht erkl\u00e4ren, versuchte sogar es aufzumalen. Er hat mich glaube ich nicht verstanden und war auch wirklich sehr verwirrt dar\u00fcber, wie es mich denn so aufw\u00fchlen kann, wo doch niemand bei diesem Wetter drau\u00dfen schlafen wollen w\u00fcrde!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hatte er ja Recht. Aber ich vertraute ihm einfach noch nicht. Obwohl ich relativ schnell das Gef\u00fchl gewann, dass er mich eher als Tochter betrachtete und somit als asexuell. Das beruhigte mich teilweise, aber sicher sein konnte ich mir nicht. Er bot mir sogar an, dass er bei einem seiner t\u00fcrkischen Kollegen \u00fcbernachten w\u00fcrde um mir die Kabine zur Verf\u00fcgung zu stellen. Aber das konnte ich nun wirklich nicht annehmen. Ich schwankte also dauerhaft zwischen einerseits Ungl\u00e4ubigkeit seiner Gastfreundschaft und anderseits Misstrauen seiner Freundlichkeit gegen\u00fcber. Schwierig, ob er freundlich war, weil er etwas wollte oder ob er einfach nur sehr gastfreundlich war. Er bezahlte mein Essen, er fragte ob ich Eltern hatte. Ich glaube er dachte ich sei ein Runaway. Aber neben seiner Gastfreundschaft gab es keine Anzeichen auf irgendwelche Hintergedanken. Keine komischen Blicke. Keine komischen Ber\u00fchrungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Ende \u00fcberzeugte mich sein pragmatisches Unverst\u00e4ndnis meines Campingvorhabens gegen\u00fcber. Wieso sollte ich denn ernsthaft in Erw\u00e4gung ziehen drau\u00dfen zu schlafen, wenn ich einen warmen Platz zum schlafen haben k\u00f6nnte? Ich nahm sein Angebot also an und positionierte mein Pfefferspray genau neben mir.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lustigerweise hatte ich wirklich eine extrem angenehme Nacht. Ich hatte einen actionreichen, farbenfrohen Traum und es gab wirklich \u00fcberhaupt keine Probleme.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern bin ich in Graz gestrandet. Ich hatte dort am Abend zuvor meine erste Nacht verbracht, was relativ d\u00e4mlich war, da ich eine Cousine habe, die in Graz studiert! Tja. H\u00e4tte ich mal eher drauf kommen k\u00f6nnen, dann h\u00e4tte ich mir in meinem kleinen Klapperzelt auch die F\u00fc\u00dfe nicht so abgefroren. 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