{"id":108,"date":"2016-02-05T19:01:56","date_gmt":"2016-02-05T18:01:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.federfant.de\/?p=108"},"modified":"2016-06-06T22:21:29","modified_gmt":"2016-06-06T20:21:29","slug":"05-02-16-abschied-und-grenzuebertritt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.federfant.de\/?p=108","title":{"rendered":"05.02.16 Abschied und Grenz\u00fcbertritt"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Meine Reise mit Ali endet zwei Stunden und 2000 Meter vor der t\u00fcrkischen Grenze. Denn obwohl wir schon ganz nah an der Grenze sind, bewegt sich die LKW-Schlange alle zwanzig Minuten ca. 200 Meter. Ali und ich haben vorher beschlossen uns in Edirne, der Grenzstadt auf der t\u00fcrkischen Seite zu trennen. Von dort aus w\u00fcrde ich dann \u00fcberlegen, ob ich weiter trampe oder den Bus nehme. Eigentlich will Ali unbedingt, dass ich den Bus nehme, weil er trampen zu gef\u00e4hrlich findet. Aber ich habe ihm verboten weitere Einw\u00e4nde vorzubringen. Daran h\u00e4lt er sich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach zwei langen Stunden, die ich mit Ali im Truck vor der Grenze verbringe beschlie\u00dfe ich mich abzusetzen. Zwei weitere Stunden warten, um sich dann hinter der Grenze sowieso zu trennen? Er sieht das auch ein, und wir umarmen uns feierlich zwischen den beiden Sitzen des Trucks. Ich bedanke mich bei ihm, er dr\u00fcckt mir die restlichen Bier vom Vorabend in die Hand. F\u00fcnf St\u00fcck.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann springe ich aus dem LKW, er gibt mir meinen Rucksack und ich laufe los. Seit dreieinhalb Tagen, die ich nur mit Ali verbracht habe, wieder alleine. Es macht Spa\u00df zu laufen und in der K\u00e4lte zu sein. Ich laufe entlang der Landstra\u00dfe auf die Grenze zu, keiner h\u00e4lt, also passiere ich die Grenze, die selbst ca. 2000 Meter breit ist, laufend. Es ist ganz witzig, weil die Grenze nat\u00fcrlich eigentlich f\u00fcr Autos ausgelegt ist. Ich komme also auf eine Autoschlange zu, was macht man dann? Stellt man sich hinten an?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich laufe vor zum H\u00e4uschen und werde winkend vorgezogen. \u00dcber den Grenzgeb\u00e4uden h\u00e4ngen nat\u00fcrlich eine riesige EU-Flagge, sowie eine gro\u00dfe T\u00fcrkei-Flagge. Beides erscheint mir \u00fcberdimensioniert und pathetisch. Noch einige Schritte vorher habe ich halb zerfallene Grenzh\u00e4uschen gesehen, verrostete Z\u00e4une. Obwohl es sich bei diesen Dingen noch nicht um die richtige Grenze handelt, ist es doch eine passende Parodie. In den Grenzschlangen sehe ich einen Porsche aus M\u00fcnchen. Aber auch die nehmen mich nicht mit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wo ich hinm\u00f6chte, fragen mich die Grenzbeamten. Nach Lesbos. Und warum? Ich m\u00f6chte Freunde besuchen. Auf Lesbos sind sehr viele Fl\u00fcchtlinge gerade, dort ist es sehr gef\u00e4hrlich. Ja, ich wei\u00df. Der Beamte schaut mich scharf an. Eine Kollegin kommt rein, er verliert sein Interesse an mir, scannt meinen Pass und stempelt ihn ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich laufe frohen Mutes weiter, \u00fcber Parkpl\u00e4tze, an Duty-free-Shops vorbei, bis ich durch die letzte Kontrolle komme und endlich die T\u00fcrkei erreicht habe. Mein erster Begleiter ist ein gef\u00e4hrlich aussehender Stra\u00dfenhund. Ich habe erst Angst vor ihm und stelle mir vor, wie ich ihm meine Biert\u00fcte auf die Schnauze schleudern muss. Aber er hat selbst Angst vor mir, obwohl er sehr gro\u00df ist. W\u00e4hrend ich versuche mitgenommen zu werden, sitzt er in sicherer Entfernung und starrt in die Gegend.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der erste der anh\u00e4lt, ist ein kleines zusammengefallenes Taxi. Ich winke ihn weiter. Der n\u00e4chste Anhalter ist ein Bus. Drei t\u00fcrkische Lira bis nach Edirne. Wie viel Euro sind das? Einer.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich springe in den Bus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine Reise mit Ali endet zwei Stunden und 2000 Meter vor der t\u00fcrkischen Grenze. Denn obwohl wir schon ganz nah an der Grenze sind, bewegt sich die LKW-Schlange alle zwanzig Minuten ca. 200 Meter. Ali und ich haben vorher beschlossen uns in Edirne, der Grenzstadt auf der t\u00fcrkischen Seite zu trennen. 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