{"id":17,"date":"2016-01-28T17:06:15","date_gmt":"2016-01-28T16:06:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.federfant.de\/tabi\/wordpress\/?p=17"},"modified":"2016-04-07T16:32:37","modified_gmt":"2016-04-07T14:32:37","slug":"praxissemester-now","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.federfant.de\/?p=17","title":{"rendered":"Wieso eigentlich Pause machen?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Im Herbst letzten Jahres, als ich das dritte Semester meines Studiums nach der Sommerpause wieder aufnahm, hatte ich das erste Mal dieses Gef\u00fchl. Ich startete wieder ins Studium und f\u00fchlte mich, als k\u00f6nnte ich ein belebendes Anhalten, eine befreitere Brust, ein abenteuerliches Anders gebrauchen. Die letzten Z\u00fcge des Sommers sa\u00dfen mir wohl noch in den Knochen, die viele freie Zeit und den freien Kopf, sie hatten mir diesen Duft in die Nase gesetzt, den Duft des wilden Abenteuers und des Tanzes au\u00dferhalb der Reihen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich fasste also den Entschluss, das n\u00e4chste Semester frei zu nehmen, wenigstens ein Praktikum zu machen und in meinem Hirn Platz f\u00fcr andere Brillen\u00a0und Sichten zu machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was das konkret bedeutet?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vieles.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich konnte mir vorstellen, theoretisches Wissen in einer ausl\u00e4ndischen Forschungseinrichtung umzusetzen. Ebenso k\u00f6nnte ich ein Praktikum machen, in einer politischen NGO, einem kulturellen Zentrum, einer Einrichtung f\u00fcr Start-Ups, einer humanit\u00e4ren Organisation mit Fl\u00fcchtlingen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-40\" src=\"http:\/\/www.federfant.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/brezelhirnSW-207x300.png\" alt=\"brezelhirnSW\" width=\"207\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.federfant.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/brezelhirnSW-207x300.png 207w, https:\/\/www.federfant.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/brezelhirnSW-768x1112.png 768w, https:\/\/www.federfant.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/brezelhirnSW-707x1024.png 707w, https:\/\/www.federfant.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/brezelhirnSW.png 952w\" sizes=\"auto, (max-width: 207px) 100vw, 207px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein weiterer Anspruch war, neue Leistungs- und Qualit\u00e4tsma\u00dfst\u00e4be zu erleben. Im universit\u00e4ren Leben findet automatisch die implizite Vermittlung von Ma\u00dfst\u00e4ben statt. Schlau zu sein, stringent argumentieren zu k\u00f6nnen, Theorien verstehen und neu zusammen basteln, werden zu akzeptierten Zielen. Kommilitonen, die diese Ziele ebenso zielstrebig\u00a0verfolgen, pr\u00e4gen dein Umfeld und dein eigenes Verst\u00e4ndnis von Wert und Wichtigkeit. Wenn ich allerdings an die Stimmung denke, sich mit anderen Reisenden auszutauschen, die an so viele Orte wie m\u00f6glich kommen m\u00f6chten, so ungebunden und unabh\u00e4ngig wie m\u00f6glich sein wollen. Dann ist das ein \u00e4hnliches Leistungssystem, was mir die Austauschbarkeit von Ma\u00dfst\u00e4ben, abh\u00e4ngig vom eigenen Umfeld sehr stark vor Augen f\u00fchrt.\u00a0Um diesen Leistungsbegriff zu relativieren, wollte ich also erst einmal aus der <strong>bubble<\/strong>\u00a0der Universit\u00e4t heraus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-43 size-medium\" src=\"http:\/\/www.federfant.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/brettkopf-216x300.png\" alt=\"\" width=\"216\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.federfant.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/brettkopf-216x300.png 216w, https:\/\/www.federfant.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/brettkopf-768x1065.png 768w, https:\/\/www.federfant.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/brettkopf-739x1024.png 739w, https:\/\/www.federfant.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/brettkopf.png 885w\" sizes=\"auto, (max-width: 216px) 100vw, 216px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Ziel, das sich aus diesen Gedanken heraussch\u00e4lte war: eigene Ma\u00dfst\u00e4be zu finden. Ich m\u00f6chte nicht den Anspruch haben, mich von jeglicher Fremdbestimmung zu l\u00f6sen, aber ich m\u00f6chte herausfinden, wie ich leben m\u00f6chte. Ich wollte also auch erstmal einfach nur Urlaub. Raus aus diesem\u00a0Leistungskontext und rein in die formlose, erwartungslose und flie\u00dfende Zeit!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch nat\u00fcrlich wurde mir bald klar, dass man das herausfordernde und das erwartungslose Leben nicht einfach von einander trennen konnte. Denn ein neues Ziel vom Reisengehen war: politische, kulturelle und historische Hintergr\u00fcnde der Reisel\u00e4nder kennenlernen. Viel mit den Einheimischen reden, aber das Wissen auch mit Zeitungsartikeln erg\u00e4nzen und fundieren. So bewegte sich der Reisegeist sehr schnell wieder in einer Erwartungshaltung. Doch die wird man wohl nie los.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der letzte wichtige Aspekt, der meine Reiseentscheidung pr\u00e4gte, war, dass ich in anderen L\u00e4ndern Erfahrungen mit Fl\u00fcchtlingen sammeln wollte. Durch mein Engagement in Friedrichshafen war ich neugierig darauf, wie andere L\u00e4nder, die \u00f6konomisch sehr viel schw\u00e4cher als Deutschland sind, mit Herausforderungen von Integration und Parallelgesellschaften umgehen.\u00a0Eng damit verbunden war mein Wunsch, in einem muslimisch\u00a0gepr\u00e4gten Land zu leben und mein (bisher noch sehr begrenztes) Arabisch zu verbessern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch Wohin?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meine Entscheidung viel auf eine gr\u00f6\u00dfere Region, in der ich einerseits die M\u00f6glichkeit hatte Arabisch zu lernen, aber auch an die Grenzen Europas zu sto\u00dfen. Meine Reise sollte in Griechenland beginnen: auf der Insel Lesbos w\u00fcrde ich einen Monat Freiwilligendienst machen. Danach m\u00f6chte ich einen Monat in Istanbul verbringen und den Rest der Reise von Wetter, Land und Leuten abh\u00e4ngig machen. Das klingt zun\u00e4chst sehr banal und gleichg\u00fcltig, doch in diesem Ausdruck liegt eine entscheidende Pointe, f\u00fcr mein Reisegef\u00fchl. Es ist mir sehr wichtig spontan zu sein und meinem Bauchgef\u00fchl auch in gr\u00f6\u00dferen Entscheidungen folgen zu k\u00f6nnen. Au\u00dferdem verschafft mir erst der Aufenthalt in einem Land eine gr\u00f6\u00dfere Sicherheit, weil ich ein besseres Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Region, die Menschen und die Normalit\u00e4ten entwickeln kann. Weiterhin gibt es immer situative Faktoren, die man in seine Entscheidungen einbeziehen muss und das Reise- und Lebensgef\u00fchl grunds\u00e4tzlich beeinflussen k\u00f6nnen. Diese Art, frei entscheiden zu k\u00f6nnen wann ich wo hingehen m\u00f6chte, ist also geplante Planlosigkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was ich allerdings sicher wei\u00df, ist, dass ich neben Griechenland und der T\u00fcrkei auch Iran, Libanon, Israel und Jordanien bereisen m\u00f6chte. Im Moment sieht es danach aus als m\u00fcsste ich erst nach Israel und dann in den Iran einreisen (wegen Passstempelangelegenheiten), aber ich werde mich da auch vor Ort nochmal schlau machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mir ist einerseits bewusst, dass diese L\u00e4nder f\u00fcr Reisende eine gro\u00dfe Herausforderung sind, aber andererseits reizt mich der Aspekt, dass es viele Meinungen und wenig Erfahrungswerte \u00fcber Reisen in diesen L\u00e4ndern gibt. \u00c4hnlich ist das beim Trampen. Viele Menschen haben Angst davor und raten dir davon ab, aber die wenigsten haben wirklich eigene Erfahrungen. Und so \u00e4hnlich sehe ich es auch in den aufgef\u00fchrten L\u00e4ndern. Es gibt dort gef\u00e4hrliche politische Gruppen und brenzlige Situationen und doch findet unter diesem Schleier der Gefahr, den wir von au\u00dfen vordergr\u00fcndig wahrnehmen, so viel Normalit\u00e4t und Alltag statt, dass die Mischung aus beidem mich so reizt, diese L\u00e4nder n\u00e4her kennenzulernen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Also wieder zur\u00fcck zum Anfang:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Woche vor der Reise.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heute ist der 23.Januar, die Planung sagt: Ich fahre am 1. Februar los Richtung Griechenland, habe sieben Tage Zeit um 2300 km zur\u00fcckzulegen. Ich werde entweder trampen, oder Bus fahren. Entweder campen, oder couchsurfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Woche vorher setzt der Bammel langsam ein, ich glaube gutes Wetter w\u00fcrde die Stimmung und die Vorfreude etwas heben. Doch im Moment gibt es hier in Berlin Minusgrade, Eis und K\u00e4lte und nur vereinzelt etwas aufmunternden Sonnenschein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Trotz des schlechten Wetters gibt es sie immer wieder: die Momente, in denen ich aufgeregt bin, mich freue und ich gespannt in dieses ungewisse, schwarze Loch schaue und vor mich hin grinse. Viel kann ich mir jetzt noch nicht vorstellen, wenig werde ich kommen sehen k\u00f6nnen und nichts ist sicher.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Packliste steht, einige Erledigungen stehen noch an, aber grunds\u00e4tzlich bin ich bereit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Herbst letzten Jahres, als ich das dritte Semester meines Studiums nach der Sommerpause wieder aufnahm, hatte ich das erste Mal dieses Gef\u00fchl. 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