{"id":214,"date":"2016-03-23T20:56:49","date_gmt":"2016-03-23T19:56:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.federfant.de\/?p=214"},"modified":"2016-07-17T23:28:42","modified_gmt":"2016-07-17T21:28:42","slug":"moria-registrierungscamp-und-hotspot-auf-lesbos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.federfant.de\/?p=214","title":{"rendered":"Moria \u2013 Registrierungscamp und Hotspot auf Lesbos"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Moria ist das Registrierungscamp von Lesvos. Alle Fl\u00fcchtlinge die an den Str\u00e4nden ankommen, m\u00fcssen hier durch, es sei denn, sie m\u00f6chten illegal weiterreisen, was durch die F\u00e4hren erheblich erschwert wird. Online habe ich <a href=\"file:\/\/\/Users\/tabi\/Downloads\/Lesvos_MoriaSite_Map20160219%20(1).pdf\">diese<\/a>\u00a0Karte von Moria gefunden an der ihr euch gerne orientieren k\u00f6nnt.<\/p>\n<p>Obwohl mich der Name durchgehend an die H\u00f6hlen von Moria aus Herr der Ringe erinnert, hat der Ort rein gar nichts mit H\u00f6hlen zu tun. Das Gebiet ist komplett open-air und von zahlreichen Zelten besiedelt. Dort sind einerseits die vielf\u00e4ltigen NGOs untergebracht (am unteren Rand der Karte sind alle Beteiligten aufgelistet) und andererseits nat\u00fcrlich die Fl\u00fcchtlinge, die hier t\u00e4glich ankommen. Diesen Februar sind durchschnittlich um die 1000 Menschen pro Tag hier auf der Insel angekommen.<br \/>\nSie werden in sogenannten RHUs (<a href=\"http:\/\/www.engineering.com\/Portals\/0\/BlogFiles\/DesignerEdge\/0713\/IKEAshelter.png\">Refugee Housing Units<\/a>) untergebracht, die von IKEA produziert werden.<\/p>\n<p>Davon gibt es in Moria 60 St\u00fcck. In jedes passen 20 Personen, Gesamtkapazit\u00e4t aller RHUs bel\u00e4uft sich also auf 1800 Menschen. Neben den Zelten, gibt es noch die Dorms. Lang gezogene, containerartige Geb\u00e4ude, die pro Block um die 10 R\u00e4ume enthalten. Da die R\u00e4ume der Dorms gr\u00f6\u00dfer sind als die RHUs, k\u00f6nnen hier im Notfall 40-50 Menschen pro Raum \u00fcbernachten. Es gab allerdings schon diverse Situationen, in denen sich Familien weigern den kleinen Raum zu betreten, da sich eine andere 15-k\u00f6pfige Familie drinnen schon breit gemacht hat und der Platz sehr begrenzt ist. Wenn das Wetter drau\u00dfen lau ist, legen sich manche einfach drau\u00dfen auf den Boden. Wenn das Wetter kalt ist, m\u00fcssen L\u00f6sungen gefunden werden: die Beteiligten werden h\u00f6flich gebeten f\u00fcr alle Platz zu schaffen.<br \/>\nIn den Dorms sind haupts\u00e4chlich alte Menschen und Familien mit Kindern untergebracht. Die R\u00e4ume\u00a0sind durchgehend beheizt und die Bewohner werden mit Essen versorgt. Wenn man in den Dorms Schicht hat, muss zun\u00e4chst eine Liste gef\u00fchrt werden mit allen Bewohnern, die zurzeit in den Dorms untergebracht sind. Es wird darauf geachtet, dass die untergebrachten Menschen im Raum dieselbe Sprache sprechen. Au\u00dferdem ist man daf\u00fcr zust\u00e4ndig, die neu ankommenden Familien in die entsprechenden R\u00e4ume zu bringen und im Notfall zu vermitteln. Starfish verwaltet den oberen Container, ein Dorm. I58 verwaltet die unteren beiden. Sowohl Starfish als auch I58 sind dem DRC untergeordnet (der Grund warum Starfish nicht als eigene Organisation auf der Karte aufgelistet ist).<br \/>\nNeben den Dorms und den RHUs gibt es noch ein gro\u00dfes Zelt f\u00fcr alle m\u00e4nnlichen Fl\u00fcchtlinge. In der Zeit, in der ich in Moria gearbeitet habe, wurde das gerade verschoben und war deswegen nicht in Benutzung. Die M\u00e4nner mussten in der Zeit auf dem Boden schlafen. Wenn es sehr voll war, wurden auch Zelte ausgegeben, die sich dann \u00fcber die dicken Betonwege des Camps verstreuten. Daneben, Menschen in graue Decken eingewickelt.<\/p>\n<p>Von au\u00dfen sieht Moria aus wie ein gro\u00dfes Gef\u00e4ngnis, das es fr\u00fcher scheinbar auch war. Es gibt hohe Betonmauern, die von Stacheldraht \u00fcberzogen sind. Hohe Z\u00e4une\u00a0ziehen sich auch durch das Camp, grenzen die drei Dorms von einander ab und den Registrierungsbereich. Der Eindruck eines Gef\u00e4ngnisses und der damit verbundenen Bedrohung ist allgegenw\u00e4rtig, obwohl die Menschen sich frei hinaus\u00a0und\u00a0hinein\u00a0bewegen k\u00f6nnen. Man gew\u00f6hnt sich nach einer gewissen Zeit an die Stacheldr\u00e4hte, kann aber durch die Augen der Neuank\u00f6mmlinge immer wieder die Befremdung erkennen, <a href=\"http:\/\/i.telegraph.co.uk\/multimedia\/archive\/03566\/greece-1_3566188b.jpg\">die mit den gro\u00dfen Z\u00e4unen\u00a0verbunden ist<\/a>.<br \/>\nDie Freiwilligen schaffen es oft ein Gef\u00fchl von W\u00e4rme entstehen zu lassen. Unverf\u00e4ngliche Gespr\u00e4che zwischen den Zelten, Witze und offenes L\u00e4cheln baut immer wieder kleine Br\u00fccken zwischen Freiwilligen und den Ankommenden. Obwohl die meisten \u00fcberm\u00fcdet und entkr\u00e4ftet sind und meistens nur noch schlafen m\u00f6chten, bleiben immer noch kleine Zwischenr\u00e4ume f\u00fcr Ber\u00fchrungen.<\/p>\n<p>Die Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung erkl\u00e4rt einen Hotspot als\u00a0riesiges Zentrum, das\u00a0daf\u00fcr gedacht ist, die Fl\u00fcchtlinge, die eine Chance auf Asyl haben vorzuselektieren um sie besser auf die restlichen EU-Mitgliedsstaaten aufteilen zu k\u00f6nnen (<a href=\"http:\/\/www.bpb.de\/apuz\/217302\/ein-rueckblick-auf-die-eu-fluechtlingskrise-2015?p=1\">bpb.de \u00fcber Hotspots<\/a>).<\/p>\n<p>Offensichtlich werden bei dieser Strategie Schnellverfahren eingesetzt, die mir pers\u00f6nlich nicht besonders legal erscheinen. Im Anbetracht der Situation, dass die Grenzen in Europa mittlerweile geschlossen sind, ist das jedoch nur das erste Glied der Kette, das in Fragen von Menschenrechten schw\u00e4chelt.<br \/>\nWenn man in einem dieser Hotspots registriert wird und als \u201eWahrscheinlichkeit auf Asyl in Europa ist hoch\u201c eingestuft wird, hatte man vor wenigen Wochen noch die M\u00f6glichkeit \u00fcber die Grenze nach Mazedonien weiterzureisen. Dieses Privileg war allerdings nur Irakern, Syrern und Afghanen verg\u00f6nnt. Alle anderen wurden zwar registriert, jedoch anders gelabelt und somit aussortiert. Die Entstehung der Lager au\u00dferhalb von Moria, die all diejenigen aufnehmen, die an diesem Punkt nicht \u00fcber die Grenze reisen durften, war somit vorprogrammiert. Das individuelle Asylrecht, das nicht nur vor Kriegszust\u00e4nden im gesamten Land, sondern auch vor individueller Verfolgung sch\u00fctzt, darf man hier wohlwollend mit der Lupe suchen.<br \/>\nIn dem Artikel von bpb.de wird auch erw\u00e4hnt die Menschen h\u00e4tten keine Motivation sich registrieren zu lassen, doch bei den bevorzugten Nationalit\u00e4ten ist das offensichtlich nicht der Fall. Ich stimme auch der \u00c4u\u00dferung zu, dass die Hotspots bisher nicht dazu geeignet und genutzt werden, die Menschen ohne Chancen auf Asyl(-antrag) wieder abzuschieben. Denn Moria ist ein Durchlauflager und es ist tats\u00e4chlich weder durchsetzbar noch mit v\u00f6lkerrechtlichen Standards vereinbar, die Fl\u00fcchtlinge dort festzuhalten um sie zeitnah wieder abzuschieben. Neben dem Camp in Moria ist jedoch ein weiteres gro\u00dfes Camp geplant, dass bis zu 10.000 Menschen fassen kann. Doch niemand kann sagen, was dort geplant ist. Denn es kann genauso gut sein, dass man sich f\u00fcr steigende Fl\u00fcchtlingszahlen im Sommer wappnen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Dieser Ort ist somit sehr vielschichtig und sowohl die\u00a0nationale Politik auf Makrolevel, als auch die\u00a0Unberechenbarkeiten auf dem Mikrolevel k\u00f6nnen sehr spontan zu erheblichen Ver\u00e4nderungen f\u00fchren, was diesen Ort und diese Insel so besonders macht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Moria ist das Registrierungscamp von Lesvos. Alle Fl\u00fcchtlinge die an den Str\u00e4nden ankommen, m\u00fcssen hier durch, es sei denn, sie m\u00f6chten illegal weiterreisen, was durch die F\u00e4hren erheblich erschwert wird. Online habe ich diese\u00a0Karte von Moria gefunden an der ihr euch gerne orientieren k\u00f6nnt. 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