{"id":367,"date":"2016-07-18T09:26:21","date_gmt":"2016-07-18T07:26:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.federfant.de\/?p=367"},"modified":"2016-12-01T21:28:20","modified_gmt":"2016-12-01T20:28:20","slug":"teil-1-die-busparty-oder-die-einleitung-meines-couchsurfingfails-2-0","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.federfant.de\/?p=367","title":{"rendered":"Teil 1: Die Busparty \u2013 oder die Einleitung meines Couchsurfingfails 2.0"},"content":{"rendered":"<p>In der ersten Nacht, in der ich in Teheran ankomme und mich Amon (siehe: <a href=\"http:\/\/www.federfant.de\/?p=294\">Norouz &#8211; oder wie ich in den Iran flog<\/a>) bei meinem ersten Couchsurfer im Iran abwirft, sollte sich der zweite Couchsurfing Fail meiner Reise ereignen.<\/p>\n<p>Amon\u00a0telefoniert ein paar Mal mit meinem Host, da wir gro\u00dfe Schwieirigkeiten haben sein Haus zu finden. Er sagt mir, dass er ihn etwas komisch findet. Er sagt er sei ein klassischer Teherani. Arrogant und unumg\u00e4nglich. Etwas skeptisch l\u00e4sst er mich mit ihm zur\u00fcck, spricht ein weiteres Mal seine Einladung in den Norden aus, wo er studiert und mit der Sicherheit, dass wir uns wiedertreffen werden, trennen sich unsere Wege.<\/p>\n<p>Der junge, schmale Mann, mit diesem sehr franz\u00f6sischen Moustache, namens Shayan hat ein Pickup und ist im ersten Eindruck nicht besonders gespr\u00e4chig. Er entschuldigt sich jedoch kurze Zeit sp\u00e4ter daf\u00fcr, da seine Schwester scheinbar auf einen W\u00fcstentrip geht, ist er etwas im Stress. Wir erreichen sein Haus und er stellt mir seine Familie vor. Seine Mutter, seine Schwester und seinen Bruder. Wir nehmen alle auf dem gro\u00dfen persischen Teppich Platz. Ein paar Meter von uns entfernt sieht man das gro\u00dfe Wohnzimmer. Dort sind Polsterm\u00f6bel aufgestellt, mit goldenen, verschn\u00f6rkelten Rahmen, prunkvoll, kitschig und unbenutzt.<\/p>\n<p>Dieser ausladende Stil, der viele persische Wohnzimmer umrahmt, verwirrt mich immer \u00f6fter, da er mir zweckentfremdet erscheint.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend dem Essen erw\u00e4hnt Shayan ein weiteres Mal die W\u00fcstentour, die seine Schwester heute Nacht unternimmt und fragt mich, ob ich nicht mitkommen m\u00f6chte. Ich m\u00f6chte erst einmal ankommen und der Gedanke fliegt schnell wieder aus meinem Kopf. Nach dem Essen zeigt mir Shayan das Zimmer in dem ich \u00fcbernachten werde, wo ich zwei weitere Deutsche treffe, die rauchend auf dem Balkon sitzen und den Nieselregen auf ihre K\u00f6pfe fallen lassen. Beide gehen auch auf diese W\u00fcstentour, die 100 US$ kosten soll. Ich z\u00f6gere, da ich das Geld nicht wirklich ausgeben will. Andererseits muss man eben manchmal Geld ausgeben um etwas zu erleben. Und gerade W\u00fcstentrips sind nicht besonders einfach selbst zu organisieren, da man meistens ein Auto braucht und jemanden der wei\u00df wo sich die sch\u00f6nen, sehenswerten Pl\u00e4tze befinden. Ich beginne also mit dem Gedanken zu spielen. Shayan sagt, es ist ein kleiner Bus, ein paar Freunde von ihm werden auch mitkommen und es wird eine \u00fcberschaubare Angelegenheit. Die beiden Deutschen sind um die 40, ein Lehrer aus Berlin und ein Mechaniker aus Braunschweig.<\/p>\n<p>Ein weiteres Problem das sich auftut ist, dass ich nur t\u00fcrkische Lira in meinen Taschen habe und noch nichts in Rials umtauschen konnte. Ich spreche mit Shayan dar\u00fcber ob ich in Lira bezahlen k\u00f6nnte, doch das Internet ist so schlecht, dass es sich sogar als Herausforderung darstellt einen einfachen Wechselkurs in Erfahrung zu bringen. Nach einiger Hin- und Herrechnerei einigen wir uns auf einen Betrag und ich entscheide mich auf diese W\u00fcstentour zu gehen. Sie wird zwei Tage dauern, der Preis inkludiert die \u00dcbernachtung in einer Art Hostel und die zweit\u00e4gige Begleitung eines Reisebusses, der uns auch an entlegene Zipfel der W\u00fcste bringen kann. Ich beschlie\u00dfe nicht zu viel \u00fcber Geld nachzudenken und werfe meinen Rucksack in den Kofferraum von Shayans Auto. Die beiden anderen Deutschen springen in ein zweites Auto und nach einer kurzen Fahrt, erreichen wir den Platz wo unser \u201eMinibus\u201c losfahren soll.<\/p>\n<p>Zum Verh\u00e4ngnis eines der Deutschen handelt es sich jedoch keineswegs um einen kleinen Minibus, mit einer kleinen Anzahl von engen Freunden, die spontan einen kleinen W\u00fcstentrip unternehmen m\u00f6chten, sondern um einen riesigen Reisebus, voll mit reiselustigen Iranern, die schon aufgeregt mit den F\u00fc\u00dfen trappeln.<\/p>\n<p>Es stellt sich heraus, dass der Lehrer eine monstr\u00f6se Angst vor dem iranischen Fahrstil hat und sich diese Unternehmung definitiv anders vorgestellt hat. Im Angesicht des Reisebus kapituliert er und versichert Shayan glaubhaft, dass er dieses riesige Gef\u00e4hrt nicht betreten wird. Er sagt ihm, dass er sich diese Reise anders vorgestellt h\u00e4tte und mit einem kleinen Bus gerechnet h\u00e4tte, in dem die Insassen auf seine Bed\u00fcrfnisse eingehen k\u00f6nnten, falls ihm nicht gut sei.<\/p>\n<p>Er cancelt also diese Fahrt mit den verzweifelten Worten, \u201eMir ist das egal, ich bezahle auch das Geld f\u00fcr die Fahrt. Mein Leben ist mir wichtiger. Ich werde da drin verr\u00fcckt!\u201c<\/p>\n<p>Kurzfristig ziehen die beiden ihre Zusage also zur\u00fcck, Shayan aufgebracht: \u201ebut you\u2019ve booked this!\u201c. Was\u00a0etwas ironisch klingt im Anbetracht der Tatsache, dass diese Buchung fern von jedem Vertrag vonstatten ging. Da ich die Einzige der Gruppe bin, die mit der Schwester von Shayan tats\u00e4chlich den Bus betritt, wei\u00df ich nicht, ob die beiden tats\u00e4chlich die 100US$ bezahlt haben. F\u00fcr n\u00fcscht. Das f\u00e4nde ich schon ziemlich unsportlich von diesem Shayan. Aber dieser Mafiosi mit dem franz\u00f6sischen Bart wird sich auch zuk\u00fcnftig noch als leicht verruchter Kerl entpuppen.<\/p>\n<p>Die Fahrt beginnt mit einer Art Vorstellungsrunde, die mir leicht suspekt vorkommt. Ich stehe auf und sage der Gruppe meinen Namen, woher ich komme und was ich im Iran mache. Was ich zun\u00e4chst als Ausstellungsaktion von Ausl\u00e4ndern wahrnehme, soll nur zum Zusammenhalt der Gruppe beitragen. Scheinbar kennt hier jeder jeden und die Reiseveranstalter haben ein gro\u00dfes Interesse an einer freundschaftlichen Atmosph\u00e4re im Bus. Nach mir stehen noch ein paar andere junge Soldaten auf, die gerade auf \u201eFreigang\u201c sind und ihre Freizeit nutzen zu einem kleinen Partytrip. Denn dieser Bus, der zun\u00e4chst wie ein unschuldiger Reisebus mit fr\u00f6hlichen Reisenden aussieht, ist eigentlich ein Partybus, indem die Leute kurze Zeit nach unserer Abfahrt den schmalen Gang zwischen den Sitzen f\u00fcllen und ihre Handgelenke in persischer Manier um ihren K\u00f6rper kreisen lassen. F\u00fcr mich eine interessante Erfahrung, da die Hemmungen zu Tanzen scheinbar sehr tief angesetzt sind: Musik an, losgetanzt. Durch den persischen Stil, die H\u00e4nde als Hauptelement des Tanzes, den ganzen K\u00f6rper ansteckend, zu benutzen ist es aber auch sehr einfach, ihn zu erlernen (wenn man die Scheu schnell ablegen kann). Das ist sch\u00f6n, weil es damit auch f\u00fcr alle zug\u00e4nglich wird, jeder kann Tanzen, keiner ziert sich wegen Unf\u00e4higkeit. Die Musik wird also ordentlich aufgedreht, Frauen und M\u00e4nner springen auf und bewegen sich rhythmisch zu iranischer Musik. Die Kopft\u00fccher fallen mit den Hemmungen, jeder einzelne Insasse wird aufgefordert mitzutanzen.<\/p>\n<p>Der Bus f\u00e4hrt gegen zw\u00f6lf Uhr nachts los und da ich mich auf eine lange Schlafphase eingestellt habe gehe ich zun\u00e4chst in eine kurze Phase der Verzweiflung \u00fcber und muss an den ver\u00e4ngstigten Deutschen denken. Mit dem knarzenden Beat in den Ohren denke ich an seine Worte: \u201eIch werde da drin verr\u00fcckt!\u201c und frage mich kurz, ob mich nun vielleicht dieses Schicksal ereilen wird, da ich zu d\u00e4mlich war, diese Situation zu vermeiden.<\/p>\n<p>Doch es kommt anders: denn nach einer gewissen Aufw\u00e4rmphase, bekomme ich auch richtig Lust zu tanzen. Es ist ein anderes Feeling als in Deutschland. Jeder bekommt seinen Moment in dem er im Mittelpunkt steht und meine Mitreisenden wissen genau\u00a0damit umzugehen. Die Umstehenden klatschen, schnipsen w\u00e4hrend die Person im Mittelpunkt gekonnt die H\u00fcften schwingt. Diese Souver\u00e4nit\u00e4t besitze ich leider noch nicht, doch durch meinen Welpenbonus und auch durch die positive Grundstimmung ist die Atmosph\u00e4re wohlwollend und federnd, jeder m\u00f6chte mir beibringen, wie man persisch tanzt. Es ist sch\u00f6n, man kann sich von den Wellen der Begeisterung tragen lassen, keine urteilenden Blicke, keine Ablehnung. Au\u00dferdem ist die Interaktion zwischen M\u00e4nnern und Frauen bemerkenswert. Denn ohne sich zu ber\u00fchren, findet intensiver, spielerischer Austausch statt. Blickkontakt, kreisende H\u00e4nde, keine k\u00f6rperliche Ber\u00fchrung.<\/p>\n<p>Doch gl\u00fccklicherweise werden auch die wildesten T\u00e4nzer irgendwann m\u00fcde und ich bekomme noch meine verdiente Dosis Schlaf. Schlie\u00dflich war der Tag sehr lang.<\/p>\n<p>Was wir in der W\u00fcste erleben und wie sich der Couchsurfingfail ereignen wird, k\u00f6nnt ihr im n\u00e4chsten Beitrag (noch nicht ver\u00f6ffentlicht) nachlesen..<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der ersten Nacht, in der ich in Teheran ankomme und mich Amon (siehe: Norouz &#8211; oder wie ich in den Iran flog) bei meinem ersten Couchsurfer im Iran abwirft, sollte sich der zweite Couchsurfing Fail meiner Reise ereignen. Amon\u00a0telefoniert ein paar Mal mit meinem Host, da wir gro\u00dfe Schwieirigkeiten haben sein Haus zu finden. &#8230; <a class=\"read-more\" href=\"https:\/\/www.federfant.de\/?p=367\">Weiterlesen &#8230;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4,12],"tags":[],"class_list":["post-367","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-auslandssemester","category-iran"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.federfant.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/367","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.federfant.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.federfant.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.federfant.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.federfant.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=367"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.federfant.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/367\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":401,"href":"https:\/\/www.federfant.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/367\/revisions\/401"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.federfant.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=367"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.federfant.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=367"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.federfant.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=367"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}