Starfish Foundation

Ich möchte zunächst die Organisation vorstellen, mit der ich gearbeitet habe, damit ihr euch die Arbeit auf Lesvos ein bisschen besser vorstellen könnt. Über die Einsatzgebiete von Starfisch leitet sich auch ab, welchen Tätigkeiten ich dort nachgegangen bin.

Die Organisation Starfish Foundation liegt am nördlichen Rand der griechischen Insel Lesbos. Das Büro der jungen NGO befindet sich im Captains Table einem Restaurant, dessen Inhaber Starfish gegründet haben. An diesem Zipfel der Insel ist die Verbindung zum türkischen Festland am kürzesten und die Überfahrtsbedingungen am idealsten. Das türkische Festland scheint nur einen Steinwurf entfernt.

Starfish beteiligt sich an drei verschiedenen Einsatzorten mit Freiwilligen. Einerseits im sogenannten IRC Camp. IRC ist die Abkürzung für International Rescue Committee, einer international operierenden Hilfsorganisation, die vor einiger Zeit ein Camp an der nördlichen Küste fertig gestellt hat. In diesem Camp werden die Menschen versorgt, die an den umliegenden Stränden ankommen. Es gibt mehrere dieser Camps auf der ganzen Insel verstreut, die entsprechend für unterschiedliche Strände zuständig sind. In diesen Camps bleiben die Menschen meistens nur wenige Stunden oder eine Nacht und werden dann von Bussen von UNHCR oder IRC abgeholt. Die Träger dieser Camps sind unterschiedliche Organisationen, entweder selbst organisierte, kleine, vor Ort gegründete, wie Starfish, oder schon etablierte, größere Organisationen, wie z.B. UNHCR oder Mediciens Sans Frontiers. Von diesen Camps werden die Flüchtlinge dann nach Moria, in das zentrale Registrierungscamp gebracht. Mehr zum Thema IRC-Camp gibt es hier zu lesen.

Der zweite Einsatzort von Starfish ist der Hafen. Einerseits wird der Hafen in Molyvos, anderseits der Hafen in Petra betreut. Wenn dort Boote ankommen, sind die Aufgaben von Starfish die Menschen mit Essen und trockenen Klamotten zu versorgen und sie in die Busse zu bringen, welche dann entweder direkt nach Moria zum Registrierungscamp fahren oder noch einen Zwischenstopp im IRC Camp machen. Wenn Boote im Hafen ankommen heißt das nicht, dass wir der erste Kontakt zu den Flüchtlingen sind, sondern dass die griechische Küstenwache oder Frontex die Passagiere an Bord ihrer Schiffe genommen hat und dann sicher in die Häfen der Insel bringt. Doch diese Abläufe haben sich erst mit der Zeit entwickelt.

Der dritte Einsatzort ist Moria. Innerhalb des offiziellen Registrierungscamps werden die Menschen registriert, versorgt und untergebracht. Von dort aus reisen sie dann mit der Fähre weiter nach Athen. Die Freiwilligen, die dort von Starfish eingesetzt sind, sind gemeinsam mit I AM YOU, einer schwedischen Organisation und dem DRC (Danish Refugee Council) für die Unterbringung der Flüchtlinge verantwortlich. Es gibt weitere Organisationen wie I58 und Euro Relief, aber auch viele medizinische Organisationen, die andere Aufgaben innerhalb des Camps übernehmen. Die übergeordnete Organisation ist UNHCR und die griechische Polizei. Mehr über Moria könnt ihr hier lesen.
An diesen drei Stationen hat man die Möglichkeit zu arbeiten. Neuerdings wurde eine weitere Arbeitsmöglichkeit für Beachcleaning eröffnet. An den Stränden von Lesbos liegen viele Gummiboote und eine Menge Müll. Einige Freiwillige haben also die Initiative ergriffen sich diesem Problem anzunehmen. Die Gummischlauchboote, die über viele Strände verteilt sind, werden am Strand zerschnitten und dann an der Straße von der Müllabfuhr abgeholt. Die Freiwilligen möchten einerseits die Wahrscheinlichkeit auf florierenden Tourismus erhöhen, doch da das Verhältnis zu den Locals schwierig ist gibt es auch Freiwillige, die sich weigern die Aufgabe des Beachcleanings zu übernehmen. Die Verantwortung, die Insel sauber zu halten, liegt nicht nur bei den Freiwilligen sondern ebenso bei den Einheimischen, die das Saubermachen manchmal als eine Art Bringschuld der Freiwilligen betrachten.

In der Vergangenheit haben sich die Arbeitsbereiche von Starfish oft verändert. Bis Dezember, als es das IRC Camp noch nicht gab, wurde auf dem Parkplatz eines Nachtclubs ein Camp namens „OXY“ betrieben, das von Starfish auf die Beine gestellt und geleitet wurde. Es wurde dann allerdings geschlossen, da die Lage des Camps für den örtlichen Tourismus Schwierigkeiten mit sich brachte. Doch auch nach diesem Rückschlag sortierte sich die Organisation neu und fand neue Arbeitsbereiche. Durch die wechselnden Routen der Flüchtlinge, durch neue Gesetzgebungen und Regierungskurse gibt es ständig gravierende Veränderungen, auf die reagiert werden muss. Das bietet einerseits Raum für neue Entwicklungen und Herausforderungen, illustriert allerdings auch die Auslieferung der Organisation gegenüber höheren Kräften.